Fritz Barth

Mobilmachung und Krieg, Auswirkung in unserem Ort

Die politischen Ereignisse wurden, wie allerorts, auch in Calmbach gespannt und von vielen besorgt verfolgt.

Besonders die Älteren, die den 1.Weltkrieg mitgemacht hatten, machten bedenkliche Gesichter.

Am 26. August wurde die Mobilmachung verkündet. Sofort eingezogen wurden zunächst die älteren Jahrgänge. Es waren fast durchweg Männer, die schon im 1.Weltkrieg gedient und größtenteils auch Fronterfahrung hatten. Treffpunkt der mit Gestellungsbefehl mobilisierten Calmbacher war der Rathausplatz. Von dort wurden sie mit Bussen zu ihren Einheiten gefahren und eingekleidet. Männer, die sich auswärts befanden, wurden durch Eilboten der Post alarmiert.

Stolz waren wir Jugendlichen - alle im NS-Geist erzogen - die sagen konnten: „Mein Vater ist Soldat“.

Bei der übrigen Bevölkerung machte sich, besonders nach dem Kriegseintritt von England und Frankreich, doch ein wenig Sorge breit. Schon wieder wie 1914-1918 ein Zweifrontenkrieg?

Geschäftsleute wie Bäcker, Metzger, Wirte usw. mußten ihre Betriebe ihren Frauen und Kindern überlassen. Groß war deren Leistung. Miteingezogen wurde auch der Metzgermeister Karl Seyfried von der Viehgasse (jetzt Bergstraße), Er war der letzte Calmbacher Heimkehrer des 1.Weltkriegs aus französischer Gefangenschaft im Jahr 1921.

Augenzeugen entsprechend war die Begeisterung der zur Wehrmacht eingezogenen Männer, die zwischen 40 und 45 Jahren alt waren, nicht so wie im August 1914. Damals wurden die Soldaten mit klingendem Spiel und waffenbekränzt von ihren Frauen, Müttern und Bräuten verabschiedet. Auch die Parolen von damals: „Jeder Stoß ein Franzos, jeder Schuß ein Russ“ wurden nirgendwo gesehen. Die Familienväter waren sich der Gefahr durchaus bewußt. Die Männer wurden mit ihren Dienstgraden aus dem 1.Weltkrieg in die aufzustellenden Kompanien und Regimenter übernommen, öfters auch einen Dienstgrad höher. Nach Ausrüstung und Bewaffnung wurden Stellungen am Westwall, größtenteils im Bereich Kaiserstuhl, besetzt.

Kompanieführer für viele Enztäler Soldaten war der Calmbacher Forstmeister und EK1-Träger des 1.Weltkriegs, Hauptmann Schauwecker.

Am 7. Dezember 1939 teilte auch der Calmbacher Bürgermeister Günter dem Landrat Högele seine Einberufung zum Wehrdienst ab 14. Dezember 1939 mit.

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Von September 1939 bis zum Frühjahr 1940 gab es an der deutsch-französischen Grenze nur geringe Kampfhandlungen. Bei der Wacht am Rhein erlitten die Soldaten aus unserem Raum keine Verluste.

Die Bevölkerung des Schwarzwaldes wurde gelegentlich durch französische Aufklärungsflugzeuge, die in großer Höhe flogen, etwas beunruhigt. Bomben fielen damals im Enztal keine.

Schon vor und besonders nach Beendigung des Frankreichfeldzugs wurden fast alle, der bei der Mobilmachung eingezogenen 40-45jährigen Männer wieder aus der Wehrmacht entlassen und der Rüstungsindustrie (Zünderbau bei der Fa. Alfred Gauthier GmbH) zugeführt oder konnten ihre handwerklichen Tätigkeiten wieder aufnehmen.

Doch kurz vor Kriegsende wurden sie nochmals als letztes Aufgebot zum Volkssturm eingezogen.

Aber wie ging es zu Beginn des 2. Weltkriegs weiter. Mit Fortschreiten der Kampfhandlungen wurde Jahrgang um Jahrgang gemustert und bald darauf zur Wehrmacht einberufen. In den Kriegsjahren 1939 und 1940 waren, trotz Teilnahme von Calmbachern am Polen- und Frankreichfeldzug sowie an der Besetzung von Dänemark und Norwegen, keine Gefallene zu beklagen.

Das große Sterben und das Leid der Hinterbliebenen begann mit dem Rußlandfeldzug und später mit der Alliierten Landung in der Normandie. Unmenschliche Strapazen mußten unsere Soldaten erleiden. Viele Feldpostbriefe zeugen davon.

Glück hatten diejenigen, die von den Rüstungsbetrieben UK (Unabkömmlich) gestellt und erst im letzten Kriegsjahr noch zur Wehrmacht mußten. Die letzten, welche gemustert wurden, waren die Jugendlichen des Jahrgangs 1929. Eingezogen wurde neben dem Jahrgang 1927 auch noch ein Teil des Jahrgangs 1928.

Während des Krieges wurden die Schwerkriegsbeschädigten, in der Regel Arm- oder Beinamputierte, in die Heimat entlassen.

Die Ernährung in den Kriegsjahren war durch Lebensmittelkartenausgabe geregelt und knapp ausreichend. Erst nach dem Zusammenbruch und der Besetzung wurde es mehr als kritisch.


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