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Zwischenzeitlich fand die Gemeinderatswahl am 20. Dez. 1931 statt. Am 7. Jan. 1932 erfolgte die Verpflichtung durch Amtsverweser Schweitzer:
 

Bürgerliche Vereinigung:   

5 Mitglieder

SPD:

4 Mitglieder

Bürgerpartei:

4 Mitglieder

Parteilose:

1 Mitglied

 
Zu den bisherigen Gemeinderäten Barth, Keller, Bott, Kübler, Ossmann, Wildprett, Kiefer, Kübler, Seyfried, Rittmann und Gauthier, kamen neu hinzu: Karl Jäger, Wilh. Dürr und Ernst Kröner.

Die Stelle des Schultheißen wird erneut ausgeschrieben. Zum Wahltag wird der 6. März 1932 bestimmt. Da der Amtsinhaber abgewählt war meldeten sich jetzt 21 Bewerber.
    Davon werden 8 zur Bewerbervorstellung am 21. Februar 1932 in die Gasthäuser „Waldhorn“ und „Anker“ eingeladen: J. Morcher, Obersekretär, Emil Schweiger, Regierungsrat, R. Seeber, Bürgermeister, O. Moser, Obersekretär, G. Dietz, Bürgermeister, Ottmar Schweitzer, Amtsverweser, Karl Heeß, Gemeindepfleger, Oskar Lang, Stadtpflegebuchhalter.
    Unter den Bewerbungen befand sich auch ein Schriftsatz des seitherigen Stelleninhabers Hörnle. Er brachte am 25. Februar 1932 ein Flugblatt heraus: Abbildung

Am 24. Februar beschließt der Gemeinderat Vorabstimmungen und Bürgerversammlungen mit diesen 8 Eingeladenen abzuhalten, um auszuwählen, wer in die engere Wahl kommt. Da einige absagten, kamen andere Bewerber noch dazu.

Am 27. Februar 1932 fanden die Probeabstimmungen in brechend vollen Sälen statt. 705 Calmbacher Bürger nahmen daran teil. Einige davon waren schon bierselig.
Der Stellvertreter des Amtsverwesers GR Bott gab nach Auszählung das Ergebnis bekannt:

Amtsverweser Ottmar Schweitzer:

472 Stimmen

Gem. Pfleger Heeß, Birkenfeld:

86 Stimmen

Ratsschreiber Schäfer, Stuttgart:

79 Stimmen

Obersekretär Morcher, Rottweil:

40 Stimmen

Reg.-Rat Schweiger, Tailfingen:

13 Stimmen

Dr. Jur. Kühn, Ludwigshafen:

3 Stimmen

Bürgermeister Seeber, Murr:

3 Stimmen

Volkswirt Baumann, Ludwigsburg:

2 Stimmen

ungültig:

7 Stimmen


Der Calmbacher Gemeinderat diskutierte noch, ob neben Ottmar Schweitzer noch ein oder zwei Bewerber zur Wahl zugelassen werden.

Im Wahlkampf stellte Ottmar Schweitzer kurz seinen Lebenslauf vor:
    Geboren am 21. Februar 1900 in Ochsenburg, Oberamt Brakkenheim als Sohn des damaligen Schultheißen und Verwaltungsaktuars Eduard Schweitzer
    Mittlere Reife, Verwaltungslehre Rathaus Sternenfels, 1918 Kriegsdienst, Kriegerfürsorgestelle Feuerbach, Prüfung mittlerer Verwaltungsdienst, Oberamt Maulbronn, seit März 1923 Ratsschreiber in Calmbach, verheiratet mit der Calmbacher Rössleswirtstochter Johanna Seyfried. (*1906, †1981).

Er weist darauf hin, daß für neue größere Unternehmen die Finanzkraft der Gemeinde nicht ausreichend ist. Macht also keine Versprechungen im Wahlkampf. In einer Wahlrede erklärte Ottmar Schweizer unter anderem:
    „Die Geschäfte zur Linderung der Not, durch Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Krankheit, sehr bedrängter Bürger haben mich in den letzten Monaten stark in Anspruch genommen. Man hat auf dem Rathaus des öfteren ergreifende Fälle erlebt. Aus den erwähnten Gründen mußten ja größtenteils Steuerstundungen bewilligt werden. Daß ich diesen Schwerbedrängten helfen konnte, verleiht mir eine innere Befriedigung.“
Die Wahl am 6. März 1932 brachte einen überwältigenden Wahlsieg von Ottmar Schweitzer. Er erhielt 995 von 1647 gültigen Stimmen, also mehr als 3/5.

Der von den Deutschnationalen unterstützte Gemeindepfleger Heeß aus Birkenfeld landete abgeschlagen.

Die Amtseinsetzung von Schultheiß Schweitzer findet am 19. April 1932 in einer öffentlichen GR-Sitzung statt.
    GR Ferdinand Bott begrüßt den neugewählten Schultheißen Schweitzer mit herzlichen Worten im Auftrag des Gemeinderats: „Von Seiten des GR dürfen Sie versichert sein, daß Sie ein lautes Echo finden werden, wenn Sparsamkeit in allen Dingen der Grundsatz ist, der unter Ihrer Leitung auf dem Rathaus vorherrschen wird. Calmbach war einst eine der Gemeinden, die stolz sein konnten auf das was sie hatten und was sie waren. Wir sind eine arme Gemeinde geworden. Eine große Zahl von Arbeitslosen wartet mit Schmerzen darauf Beschäftigung zu finden.“ Mit „Helfen Sie uns!“ schloß GR Bott seine Begrüßungsrede. Der Leiter des Oberamtes Neuenbürg wies in seiner Rede auf die Verdienste von Schultheiß Hörnle während fast 25jähriger Dienstzeit hin. Den neuen Schultheißen wies er darauf hin, daß die Gemeinde Calmbach einen schönen Gemeinde-Wald hat, auf den in Notzeiten sich unsere Blicke richten müssen. Ihn gelte es auszunützen.
    Er muß Arbeit und Brot bringen. Die Zinslast sei abzubauen wenn man hiebreifes, überständiges Holz stehen hat. Herunter mit dem Holz, herunter mit den Schulden. Die Älteren unter Ihnen wissen, daß es in Calmbach bis zum Jahre 1886 keine Gemeinde - Umlage gegeben hat. Jetzt wäre zum Waldbesitz noch beträchtliche Industrieansiedlung hinzugekommen. Deshalb sei Hoffnung angebracht, daß Schultheiß Schweitzer mit Mut die Probleme lösen könne. Mit weiteren Worten voller Hoffnung erklärte er Schultheiß Schweitzer zum gesetz- und ordnungsmäßig bestellten Ortsvorsteher der Gemeinde Calmbach.
    Schultheiß Schweitzer dankte und bat, daß nach all den Kämpfen vor der Wahl wieder der Geist des Friedens und der Versöhnung in der Gemeinde einkehren möge. Zu Amtsversammlungs-Abgeordneten wurden am 17. März 1932 gewählt: Schultheiß Schweitzer, GR Bott, GR Kübler, GR Gauthier.

Ausschlaggebend für die überzeugend sichere Wahl von Ottmar Schweitzer war seine nahezu 9jährige erfolgreiche Tätigkeit als Ratsschreiber, stellvertr. Gemeindepfleger und Amtsverweser auf dem Calmbacher Rathaus. Er gehörte keiner Partei an und stand getreu seinem Diensteid auf dem Boden der Weimarer Verfassung. Durch sein soziales Engagement während dieser Jahre erhielt er seine Stimmen hauptsächlich von der Arbeiterschaft, die damals noch in Calmbach den linken Parteien (SPD u. KPD) nahestanden, und vom mittelständischen Handwerk und Handel, der sich in arger finanzieller Not befand. Auch war bekannt, daß er während der krankheitsbedingten Abwesenheit von Schultheiß Hörnle beide Ämter, auch die Ortsvorsteherstelle voll ausfüllen konnte. Aber es war schon spürbar, daß die Arbeiterschaft von den Sozialdemokraten langsam zur neuen Bewegung, zur NSDAP (National Sozialistische Deutsche Arbeiterpartei) umschwenkte. Vielen Arbeitslosen und finanziell Bedrängten war diese neue Bewegung ein Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten. Der Ruf von Einzelnen „Wer Hitler wählt, der wählt den Krieg“  


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