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Calmbach, Blick von der Viehgasse

Calmbach, Blick von der Viehgasse (heute Bergstraße)

Zug um Zug mußten die Hausbesitzer von 1933 an bei Nationalen Feiertagen die Hakenkreuzfahne hissen. Der Einzige der sich noch getraute die schwarz-weiß-rote Fahne zu hissen, war der Sägewerksbesitzer Friedrich Kappler.
 

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Im Febr. 1933 beginnen die Wohlfahrtsarbeiter mit der Anlegung eines Schleifwegs.

Am 16. März 1933 Gesuch der NSDAP Ortsgruppe Calmbach auf Überlassung der unteren Räume der Turnhalle samt Küche zur Verpflegung von 600 SA-Männern aus Stuttgart, anläßlich eines Manöver- und Propagandamarsches von Stuttgart nach Baden-Baden.

Am 23. März 1933 fordert die NSDAP, vertreten durch Postmeister Reichert, für Frauenschaft, SA und SS den Gewerbeschulsaal als Versammlungsraum.

Im April 1933 wird der bisher demokratisch gewählte Gemeinderat aufgelöst. Bis zur Neubestellung haben die Bürgermeister gemäß Gesetz der Landesregierung die Gemeinden zu vertreten und zu verwalten.

Die neuen Gemeinderäte wurden von der NSDAP-Ortsgruppe nach Vorgabe der NSDAP-Kreisleitung ausgewählt.

Am 4. Mai 1933 fand die Eröffnungssitzung des neugebildeten Gemeinderats statt.
    Der Vorsitzende Schweitzer wurde jetzt nicht mehr als Schultheiß, sondern als Bürgermeister bezeichnet.
    Der Vorsitzende begrüßt die Mitglieder des neugegründeten Gemeinderats und gibt seiner Freude Ausdruck, daß sich Männer gefunden haben, die auch in schwerer Zeit gewillt sind, in der Gemeinde-Verwaltung mitzuarbeiten. Er begrüßte auch Pfarrer Dr. Müller als Mitglied der Ortsfürsorgebehörde. Seit Auflösung des früheren Gemeinderats habe er als Ortsvorsteher die Gemeinde verwaltet. Wichtige Beratungspunkte wurden dabei zurückgestellt und bleiben dem neugebildeten Gemeinderat vorbehalten. Bürgermeister Schweitzer führte weiter aus, daß im Wirkungskreis des Gemeinderats gewisse Änderungen zu erwarten sind. Trotzdem sollten heute die entsprechenden Ausschüsse gebildet werden.
    Die neueingetretenen Mitglieder werden verpflichtet. Es sind dies (alle NSDAP): Rudolf Reichert, Postmeister Albert Barth, Drogist Paul Heckeler, Mech.Meister Robert Friedrich, Koch u. Wirt Eugen Maisenbacher, Arbeiter Christian Barth, Werkmeister Fritz Keck, Holzhauer.
Die drei weiteren Gemeinderäte, die auch dem früheren Kollegium angehört haben (Wilhelm Dürr/SPD, Fritz Dürr/SPD, Adolf Rittmann/Kampfbund schwarz-weiß-rot), wurden auf ihren früher abgelegten Diensteid hingewiesen.

So wie in der 1. Reichsregierung Hitlers nicht alle Minister der NSDAP angehörten, so durften auch dem Calmbacher Gemeinderat noch für kurze Zeit eine Minderheit von Andersdenkenden angehören. Auch Bürgermeister Schweitzer wurde zunächst geduldet.

Der Fraktionsführer der NSDAP, Postmeister Rudolf Reichert, dankte für die Begrüßung. Es müsse ab jetzt der Grundsatz „Gemeinnutz vor Eigennutz“ herrschen. Er kündigte eine Presseerklärung an, die auszugsweise folgenden Wortlaut hatte:
    „Durch das Gesetz der Gleichschaltung haben Länder und Gemeinden eine neue Vertretung erhalten, die dem Willen und dem Geiste der Regierung zu entsprechen hat. Wir sind uns der Schwere der Verantwortung voll bewußt; wir werden unsere Arbeit führen im Sinne der nationalsozialistischen Staatsidee und in voller Übereinstimmung mit den Punkten des Programms unserer Bewegung. Die sozialdemokratischen Gemeinderatsmitglieder, sowie das Mitglied im Kampfbund schwarz-weiß-rot unterstützen diese Erklärung voll und ganz.“

Am 11. Mai 1933 werden die GR-Ausschüsse gebildet.

Im Mai 1933 wurde der Wettbewerb „Freibadanlage“ ausgewertet. Unter Kennworten wurden 6 Vorschläge eingereicht. Den 1. Preis erhielt „Enztalperle“ von Kurt Kiefer, Bautechniker; den 2. Preis erhielt „Billig und Zweckmäßig“ von Heinrich Weischedel, Ortsbaumeister; den 3. Preis erhielt „Kleinenzwasser“ von Ferdinand Bott, Dipl.-Architekt. Der 1. Preisträger Kurt Kiefer wurde als Bauleiter bestellt.

Am 18. Mai 1933 stellt GR Albert Barth Antrag auf Kündigung des Ortsbaumeisters Weischedel. Der Gemeinderat stimmt zu.

Nationale Wetterfahne

Nationale Wetterfahne auf dem Kälbling,
Gewann Köpfle, genannt „Adolf-Hitler-Ruhe“

Die Polizeiwachtmeister Krauß und Wengert bitten um Zuschuß für Beschaffung von Diensthunden.

Hermann Sieb, Installateur will im Gemeindewald Kälbling, Abt. Köpfle einen Aussichtsturm erstellen. Gesuch wird vom GR zurückgestellt. Statt dessen hat H. Sieb an einer hohen Forche, weit sichtbar, eine Hakenkreuzfahne als Wetterfahne angebracht. Dafür erhielt er vom GR 20 RM bewilligt. Das Gewann „Köpfle“ wurde daraufhin im Volksmund „Adolf-Hitler-Ruhe“ genannt.

Die Sommer-Sonnenwende soll als Fest der Jugend abgehalten werden. Für Spiele und Staffelläufe soll die Gemeinde Calmbach Preise zur Verfügung stellen; insbesondere gute Adolf Hitler Bilder. Der Sportplatz sei zum Abbrennen des Sonnwendfeuers vorgesehen.

24. Juni 1933 GR Adolf Rittmann verlangt Entbindung vom Gemeinderatsamt.

13. Juli 1933 Christian Kiefer, Bauunternehmer rückt im GR nach. GR Kiefer weist darauf hin, daß er wie bekannt schon längst auf dem nationalen Boden steht.

19. Juli 1933 die NSKO-Ortsgruppe Calmbach (Nationalsoz. Kriegsopferverband) setzt sich für die Wiedereinstellung eines Lehrlings im Rathaus ein, da der Vater, wohl Sozialdemokrat aber auch Schwerkriegsbeschädigter sei.

Feuerwehrkommandant war Hermann Proß, Mechaniker, sein Stellvertreter Christian Barth, Mech. Meister.

Am 24. Aug. 1933 ernennt Bürgermeister Schweitzer nach Anhörung des Gemeinderats nach Art.92 Abs.2 der Gemeindeordnung, aus dessen Mitte zu seinen Stellvertretern:
    1. Adolf Kreeb, Ratschreiber geb. 25. April 1908 in Unterurbach
    2. Rudolf Reichert, Postmeister geb. 12. Januar 1889 in Ludwigsburg, sie werden danach sofort verpflichtet.

Im August 1933 wird von der NSDAP an alle Bürgermeisterämter ein Schreiben betreffs Dankopfer der Gemeinden, zum Zwecke der Einkleidung von SA, SS usw. für den Reichsparteitag gerichtet. Darin wird erwartet, daß die Gemeinden 2 Rpf. pro Einwohner gewähren.

Im September 1933 geht Dankschreiben der NSDAP-Gauleitung für das 60 RM Dankopfer der Gemeinde Calmbach ein. Der BDM „Bund Deutscher Mädel“ wünscht von der Gemeinde Calmbach ein eigenes Heim, indem sie sich zu jeder Zeit aufhalten können.

Im Jahr 1933 wurden auch einige Calmbacher Sozialdemokraten und Kommunisten in Schutzhaft genommen. Sie wurden ins KZ Heuberg gebracht. Bis auf Robert Müller, dem späteren Kommissarischen Bürgermeister von Calmbach in den Jahren 1945/46, der länger inhaftiert war, wurden sie nach einigen Tagen wieder freigelassen.

Dem Unterdrücken von Gerüchten und der Einschränkung der freien politischen Meinung diente auch ein Aushang der NSDAP-Ortsgruppe am Rathaus Calmbach vom 22. Mai 1933, der folgenden Wortlaut hatte:
    „Es wird das Gerücht verbreitet, der frühere Bürgermeister Hörnle sei auf den Heuberg verbracht worden. Nach den von uns angestellten Erhebungen ist hieran kein wahres Wort. Bürgermeister a. D. Hörnle befindet sich gesund und munter zu Hause. Er sieht in der Verbreitung vorgenannten Gerüchts nichts anderes als eine Verleumdung, zu dem Zweck ihn in seiner Berufsbahn und seinem Ansehen in der Öffentlichkeit herabzusetzen. Verbreitung dieses Gerüchts wird deshalb unnachsichtig strafrechtlich verfolgt. Die Ortsgruppe der NSDAP“

Mitglied des Verwaltungsausschusses war Fabrikant A. Gauthier. Am 22. November 1933 bitten die Calmbacher Jungvolkführer Karl Halber und Walter Schmid den GR, für ihre 120 Mitglieder einen monatlichen Zuschuß von 10 RM zu bewilligen. „Wir würden bestimmt nicht im Sinne unseres Führers handeln, wenn wir diejenigen Jungen die ihren monatlichen Beitrag von 0,25 RM nicht bezahlen können, rauswerfen würden.“

Kreuzstein

Das 1934 auf dem Eiberg erstellte Ehrenmal, Kreuzstein

(Zeichnung von Fritz Barth sen.)

Am 3. Dezember 1933 schreibt der 1. FC Calmbach an den GR u. BM Schweitzer, daß am Sonntag 10. Dezember 1933 allerorts Winterhilfsspiele für die NS-Wohlfahrt stattfinden. Die Platzvereine seien verpflichtet, die Hakenkreuzfahne und die schwarzweißrote Flagge zu hissen. Der 1.FC hätte kein Geld, deshalb soll die Gemeinde 2 Fahnenmasten erstellen und das Hissen und Abnehmen der gemeindeeigenen Fahnen übernehmen. Auch soll der GR das Fußballspiel besuchen.

7. Dezember 1933: Dr. Ball, Stuttgart stiftet 1000 RM für Gedenkstätte am Kreuzstein auf dem Eiberg. 6 Arbeitslose müssen den Platz dafür herrichten. Die künstlerische Leitung haben die Bildhauer Starke und Ferd. Bott. Es entstand ein großes 3faches Steinkreuz. Unter drei germanischen Runen waren folgende Schrifttafeln angebracht: „Den Erschlagenen für Deutschland 1923-1933 ein ewiges Leben.“ (Anmerkung: Siehe hierzu auch: Umwidmung und Neugestaltung des Denkmals auf dem Eiberg)
 
Am 27. Dezember 1933 erklärt BM Schweitzer den Beitritt der Gemeinde Calmbach zur Deutschen Arbeitsfront, an den NS-Lager-Amtsleiter Bäckermeister Franz Burger.


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