- Kultur -
 

Templerbewegung im Mittelpunkt
 

Die Simmersfelder Kulturwerkstatt bietet ab heute 14 Sommertheater-Aufführungen
 
Artikel wurde erstellt von: Ralf Recklies

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Heute feiert das Sommertheater „Die Reise nach Jerusalem – ein Spiel“ in Simmersfeld Premiere.


SIMMERSFELD.Die Simmersfelder Kulturwerkstatt hat sich Großes vorgenommen. Nachdem die Kulturinitiative im Oberen Wald erst vor wenigen Wochen ihr „Fest-Spiel-Haus“ abseits der großen Ballungs- und Kulturzentrum im Land eröffnet hat, findet heute die Premiere des Sommertheaterstücks „Die Reise nach Jerusalem - ein Spiel“ statt. Schon zum sechsten Mal hat die Kulturinitiative ein Sommertheater produziert und hofft darauf, mit der Inszenierung bei ihren 14 bislang geplanten Vorstellungen wieder hunderte Besucher anzulocken.

Wie bei den früheren Produktionen, „Das kalte Herz“, „Gertrude Pfeifflin - Grenzgängerin“ oder „Nase“, so widmet sich die Kulturwerkstatt auch bei ihrer inzwischen sechsten Eigenproduktion wieder einem Thema mit Heimatnähe. „Im Zentrum unseres Spiels stehen diesmal die religiösen Erweckungsbewegungen im württembergischen Schwarzwald und hier insbesondere die Bewegung der Templer“, erklärt Schweitzer. Aber auch um Pioniergeist und christliche Gesinnung, religiöse Schwärmerei und missionarischen Eifer dreht sich viel in dem unkonventionellen Stück. Dennoch: Nicht die Religion, sondern die Frage nach Gott und der Welt, die Konflikte zwischen Republik und Gottesstaat sowie die Suche nach Freiheit beherrschen das Stück, das voller Kontraste und gesellschaftlicher Konfrontationen steckt. Die Geschichte, die die Kulturwerkstatt in ihrem Spiel umsetzt, rankt sich dabei um den Lebensweg des Architekten und Orientmalers Gustav Bauernfeind, dessen 100. Todestag in diesem Jahr begangen wird. „Bauernfeind war einer der bedeutendsten deutschen Orientmaler des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Seine Bilder erzielen bei Kunstauktionen heute höchste Preise“, weiß Schweitzer. Aus der intensiven Beschäftigung mit Leben und Werk Gustav Bauernfeinds weiß Schweitzer, dass der in Sulz am Neckar geborene Maler bei mehreren Reisen nach Palästina gekommen ist und dort Kontakt zu Siedlern und Kolonisten fand, die aus Unzufriedenheit mit der evangelischen Landeskirche ihrer Heimat im Schwarzwald den Rücken gekehrt hatten und in großer Zahl ins gelobte Land ausgewandert waren.

Der Freigeist und Pantheist Gustav Bauernfeind, fasziniert vom Lessingschen „Nathan“, ist in diesem Milieu ein Außenseiter und Eigenbrödler. Er verliebt sich dennoch in eine schwäbische Missionarin und trotz vieler Anfeindungen wird schließlich geheiratet. Fasziniert vom orientalischen Leben, dem Licht, das er mit Pinsel und Farbe einzufangen versucht, sowie vom multikulturellen Schmelztiegel Palästinas, entschließt sich Bauernfeind, Deutschland endgültig den Rücken zu kehren und mit der Familie für immer nach Jerusalem zu gehen. Die letzten Jahre seines Lebens sind abseits der schwäbischen Heimat aber geprägt von wirtschaftlicher Not, gesundheitlichen Problemen und Glaubenskonflikten. Halt findet der Künstler in der Malerei, wobei er sich vom rein naturalistischen Architekturmaler zunehmend zum impressionistisch beeinflussten Landschaftsmaler wird und dadurch den Anschluss an die Moderne aufkommende gewinnt.

Für die Eigenproduktion des Stückes hat die Kulturwerkstatt mit Helga Kröplin eine erfahrene Regisseurin gewonnen, die jahrelang am Landestheater Tübingen (LTT) Regie geführt hat und dort auch heute noch für das Generationentheater verantwortlich zeichnet. „Aus einer großen Fülle von Rohmaterial haben wir das Stück entwickelt“, so Kröplin, die zusammen mit den knapp 40 Darstellerinnen und Darstellern an der Umsetzung der „Reise nach Jerusalem“ monatelang gearbeitet, Szenen entwickelt und Dialoge geschrieben hat. Unter anderem diente dabei auch die Publikation des Bad Wildbader Heimatforschers Fritz Barth „Templer und andere Erweckungsbewegungen im Nördlichen Schwarzwald“ als Basis.

Das Stück findet zeitlich wie räumlich auf unterschiedlichen Ebenen statt und die Theatermacher haben sich für die Umsetzung eine Vielzahl von imposanten Bildern vor der Kulisse des Köllbachtals einfallen lassen. Und auch musikalisch bietet „Die Reise nach Jerusalem - ein Spiel“ wieder etwas Besonderes. Der schwäbische Dichter-Sänger Thomas Felder, dessen Kompositionen sich in vielen Schul- und Volksliederbüchern finden, hat für die Produktion eigene Kompositionen geschaffen und wird diese auch selbst vortragen. „Es ist fantastisch, welche Klangbilder Felder zu zaubern versteht“, ist Schweitzer begeistert und verspricht, dass die neue Simmersfelder Produktion wieder ein Erlebnis für alle Sinne wird.


Karten für das Sommertheater „Die Reise nach Jerusalem - ein Spiel“ können unter der Telefonnummer 0 74 84/14 19 bestellt werden.

Die Aufführungen finden bis 8. August täglich ab 20.30 Uhr (Montag und Dienstag spielfrei) statt.


Fotos: Ralf Recklies

Erstellt am: 23.07.2004